VDMA zu Wissenschaftspakten: mehr Planungssicherheit, aber zu wenig Mittel für die Lehre

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Aus Sicht des VDMA ist der Beschluss vom 6. Juni zur Fortführung der Wissenschaftspakte durch die Regierungschefs von Bund und Ländern ein wichtiges politisches Signal für die Bedeutung der Hochschullehre. Von einer Gleichwertigkeit von Forschung und Lehre sind die Wissenschaftspakte jedoch noch weit entfernt: Der Förderumfang für die Lehre bleibt weit hinter dem der Forschung zurück.

Bund und Länder haben sich geeinigt – die Pakte zur Wissenschaftsfinanzierung werden bis mindestens 2030 fortgeführt. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, erklärt dazu: „Bund und Länder haben die Zeichen der Zeit endlich erkannt: Besser finanzierte Hochschulen sind eine gesamtstaatliche Aufgabe ersten Ranges. Wir begrüßen es deshalb sehr, dass der Bund nun dauerhaft in die Hochschulfinanzierung einsteigt. Damit erhalten die Hochschulen mehr Planungssicherheit beim Personal. Unbefristete Stellen sorgen für Kontinuität und sind für eine hochwertige Lehre und mehr Studienerfolg von zentraler Bedeutung.“

Die Einigung sieht vor, dass der Hochschulpakt ab 2021 als „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ mit einem Umfang von jährlich ca. 4 Milliarden Euro dauerhaft fortgeführt wird. Der Qualitätspakt Lehre wird mit jährlich bis zu 150 Millionen Euro auf Dauer ab 2021 „Innovation in der Hochschullehre“ unterstützen. Auch der Pakt für Forschung und Innovation wird – im vierten Förderzeitraum – mit einem jährlichen Zuwachs von 3 Prozent bis 2030 fortgeführt. Die außeruniversitären Forschungsreinrichtungen erhalten somit von 2021 bis 2030 allein durch den jährlichen Aufwuchs insgesamt zusätzlich 17 Milliarden. Euro. Bei der Hochschulfinanzierung ist keine dynamische Steigerung der Mittel vorgesehen; lediglich ab 2024 gibt es eine Erhöhung der Zuwendungen.

„Erneut bleibt die Lehre das Stiefkind der Pakte“, betont Rauen mit Blick auf den Qualitätspakt Lehre, ab 2021 „Innovation in der Hochschullehre“, der jährlich um 50 Millionen Euro gekürzt wurde. „Dabei hat die Hochschullehre für unsere Unternehmen eine ebenso große Bedeutung wie die Forschung. Denn der Maschinenbau braucht mehr denn je gut ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure. Daher müssen die Hochschulen gerade in der Qualität der Lehre weiter gestärkt werden.“ Eine größere Unterstützung sei auch vor dem Hintergrund des schnellen technologischen Wandels und der Digitalisierung notwendig: „Die Hochschulen stehen vor einem großen Change-Prozess; sie müssen ihre Curricula anpassen und das Silodenken in den Fachbereichen und Fakultäten überwinden.“

Auch die hohen Studienabbruchquoten in den Ingenieurwissenschaften zeigen starken Handlungsbedarf bei der Weiterentwicklung der Lehrqualität. „In der Informatik gehen uns 40 Prozent der Studierenden verloren. Dies ist inakzeptabel – mit Blick auf die betroffenen jungen Menschen genauso wie hinsichtlich des Qualifikationsbedarfs in den Unternehmen.“ Positiv bewertet der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, dass mit dem Pakt für „Innovation in der Hochschullehre“ eine eigene Organisation eingerichtet werden soll, die die Lehre stärken soll. Laut Planungen soll sie unter dem Dach einer bestehenden Institution eingerichtet werden. Rauen fordert, dass diese Organisation dennoch möglichst unabhängig agieren müsse. Vernetzung, Austausch und wettbewerblich vergebene Projekte können wichtige Impulse in der Hochschullehre setzen.

Der VDMA setzt sich seit Jahren für eine gute, innovative Lehre und mehr Studienerfolg in der Hochschullehre ein. Mit seinem Projekt „Maschinenhaus“ berät und unterstützt der VDMA die Hochschulen konkret bei der Weiterentwicklung der Lehre. Das „Maschinenhaus“ wendet sich mit sogenannten „Transferprojekten“ – bundesweit mittlerweile über 50 – an die Fachbereiche und Fakultäten des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Informatik. Darüber hinaus lädt der Verband regelmäßig Hochschul- und Unternehmensvertreter zu einem Erfahrungsaustausch ein und sammelt in der VDMA-Toolbox erfolgsversprechende Good-Practice-Beispiele. Im zweijährigen Turnus lobt der VDMA den mit 125.000 Euro dotierten Hochschulpreis „Bestes Maschinenhaus“ aus, der am 29. Oktober 2019 in Berlin zum 4. Mal vergeben wird.