Erfahrungsaustausch Maschinenhaus „Überfachliche Kompetenzen in der Ingenieurausbildung“

Heiko Wolfraum Fotodesign

Überfachliche Kompetenzen, auch Schlüsselkompetenzen genannt, sind wichtiger Bestandteil der Qualifikationsziele von Studiengängen und gewinnen aktuell durch Industrie 4.0 verstärkt an Bedeutung. Am 6. Dezember 2018 nahmen rund 40 Hochschulvertreter/innen und Unternehmensvertreter am Erfahrungsaustausch „Maschinenhaus“ teil, um diese zu erörtern und zu diskutieren.

VDMA Mitgliedsunternehmen, Partner, Beteiligte und Interessierte sowie die Dekaninnen und Dekane von ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichen und Fakultäten waren zum 16. Erfahrungsaustausch der VDMA-Initiative „Maschinenhaus“ eingeladen. In einer zunehmend vernetzten Arbeitsumgebung rücken überfachliche Kompetenzen in den Fokus bei der Ausbildung von jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren. Laut der IMPULS-Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“ sind sie elementarer Bestandteil des „Soll-Profils Ingenieurinnen und Ingenieure 4.0“. Doch um welche überfachlichen Kompetenzen handelt es sich und wie werden sie an den Hochschulen ausgebildet? Neben drei spannenden Vorträgen zu diesem breiten Themenfeld – einmal aus der Sicht einer wissenschaftlichen Studie, aus Unternehmenssicht und aus Hochschulsicht – konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende selbst einbringen und intensiv miteinander und den Rednern diskutieren.

In einem Kurzvortrag stellte Dr. Franziska Schmid weitere Erkenntnisse aus der von der IMPULS-Stiftung des VDMA in Auftrag gegebenen Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“ vor. Welche Kompetenzen sind künftig für eine digitalisierte Arbeitswelt besonders relevant? In wieweit müssen die Hochschulen neben der Vermittlung von fachlichem Wissen künftig auch persönliche Kompetenzen fördern? Das Fachwissen der Ingenieurin und des Ingenieurs von Morgen muss um diverse Fertig- und Fähigkeiten, unter anderem Personal-, Sozial- und Methodenkompetenzen erweitert werden.

Kompetenzen für die digitale Welt

Christoph Kunz, Leiter Product Lifecycle Management bei Siemens, gab im Anschluss einen Einblick inwieweit die digitale Transformation die Anforderungen an die Kompetenzen der Nachwuchskräfte in seinem Unternehmen in den unterschiedlichen Bereichen massiv verändert hat. Kunz beantwortete in seinem Vortrag folgende Fragen: Welche Kompetenzen sind notwendig, um die Herausforderungen der digitalen Transformation erfolgreich zu meistern? Wie muss künftig die Aus- und Fortbildung beschaffen sein? Er schlussfolgert, dass in einer vernetzten Welt jeder Einzelne gefordert ist. Die Denk- und Verhaltensweisen müssen sich anpassen und sind somit ein wichtiger Baustein. Jede/jeder Einzelne muss sein Denken an die neuen (Arbeits-)Gegebenheiten anpassen: Offenheit, disruptive und visionäre Denkweisen, Kreativität, und Mut spielen dabei eine wichtige Rolle. Die (Ingenieur-)Ausbildung von Morgen wird interdisziplinärer und domänenübergreifender. Das Fazit von Siemens ist: Um als Unternehmen erfolgreich in einer digitalisierten Arbeitswelt zu bestehen, braucht es ein offenes Mindset jedes Einzelnen, aber auch eine übergreifende Ausbildung und ein verflochtenes System zwischen Schulen, Aus- und Fortbildungssystemen.

Eine Vielzahl an Kompetenzen können mit der Entrepreneurship-orientierten Lehre ausgebildet werden. Diese sind für Industrie 4.0 und für den Umgang mit sich wandelnden beruflichen Anforderungen unabdinglich. In dem dritten Vortrag befasste sich Frau Katharina Zilles vom Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum deshalb mit den Potenzialen und Grenzen des Entrepreneurship-orientierten Lehrens und Lernens. In dem Vortrag diskutierte Zilles die grundlegenden Merkmale, nötigen Schlüsselkompetenzen und geeigneten Lehrformate und –methoden der Entrepreneurship-orientierten Lehre. 

 

Miteinander im direkten Austausch - Diskussionen und Vertiefung

Im Anschluss an die Vorträge fanden Kleingruppendiskussionen statt. Die Referenten der Vorträge standen in ihren Workshops für aufgekommene Fragen zur Verfügung und stellten ihre und weiterführende Thesen zur Diskussion. Frau Barbara Ofstad, Leiterin Siemens Ausbildung Deutschland, diskutierte zum Thema „Überfachliche Kompetenzen im dualen Studium im Zusammenspiel mit der Wertediskussion in Unternehmen und Gesellschaft.“ Ein weiterer Workshop wurde gestaltet von Herrn Professor Stefan Vörtler von dem Institut für Wissenschatfsdialog der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Das Thema war „Forschendes Lernen und andere Lehrformate zur Kompetenzentwicklung für Industrie 4.0“. Auf Grundlage des Vortrags von Frau Zilles leitete Oliver Kleinschnittger, ebenfalls vom Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum, die vierte Diskussionsrunde und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Thematik „Lehre gemeinsam mit Praxispartnern gestalten“.

Abgerundet wurde der ERFA zum Abschluss mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse der einzelnen Workshops und einem Ausblick auf die weitere Entwicklung der VDMA-Aktivitäten im Hochschulbereich.

Die Agenda sowie alle Unterlagen zum ERFA stehen Ihnen hier zum Download  bereit.

Der nächste ERFA „Maschinenhaus“ findet am 13. Juni 2019 beim VDMA in Frankfurt am Main statt. 

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