YouTube, Influencer und Nachwuchswerbung

VDMA

Influencer zur Nachwuchswerbung einsetzen – aber wie? Der VDMA sammelt mit seiner YouTube-Kampagne gerade erste Erfahrungen.

Um mehr junge Leute für technische Ausbildungsberufe zu interessieren, kooperiert der VDMA seit Mitte 2019 mit den Influencern „The Real Life Guys“. Mittlerweile wurden die ersten Videos auf dem YouTube-Kanal Talentmaschine veröffentlicht. Das bietet Gelegenheit für einen vorläufigen Erfahrungsbericht.

Grundidee: Azubis einbinden
Grundsätzlich soll die Kampagne das Image einer Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau stärken. Wir wollen zeigen, dass die Azubis hochzufrieden und pfiffig sind, nützliche Skills lernen und dabei auch noch Spaß haben. Aber wie verpackt man diese Botschaften in YouTube-Videos, die zur Zielgruppe passen?

„Aus den Erfahrungen etlicher Mitgliedsunternehmen wissen wir, dass man bei der Nachwuchswerbung am besten die eigenen Azubis einsetzt. Diese Prämisse wollten wir bei der YouTube-Kampagne unbedingt auch anwenden.“

Stefan Grötzschel, Abteilung Bildung

In vielen Unternehmen arbeiten die Auszubildenden mindestens einmal während der Ausbildung an einem eigenen Projekt. Grundsätzlich geht es dabei um das Erlernen nützlicher Skills, wie Interdisziplinarität, Team- und Projektarbeit. Diese Azubi-Projekte wollen wir für die Nachwuchswerbung nutzen und auf YouTube für eine junge Zielgruppe sichtbar machen. Aber nicht als Hochglanz-Image Videos, sondern „Hands-On“ von den Azubis selbst gedreht. 

Damit werden die Azubis selbst zu Influencern. Sie dokumentieren und filmen die einzelnen Schritte ihrer Projektarbeit – wie sie planen und verwerfen, bohren und schrauben, Fortschritte wie Rückschläge. Ein passendes Briefing dazu, mit Tipps & Tricks, Dos and Don'ts liefert der VDMA. Für Rückfragen der Azubis zum Thema "Film" gibt es eine kurze Leitung via WhatsApp. Das gesammelte Drehmaterial geht nach Abschluss an den VDMA, wo es mit professioneller Unterstützung zu einem circa 10-minütigen Video zusammengeschnitten wird. Fertig zum Hochladen! 

Thema Reichweite
Authentische Videos nutzen nichts, wenn sie niemand sieht. Wie kommt man an Reichweite? Hier kommen die Kooperationspartner der Kampagne ins Spiel – die Influencer „The Real Life Guys“. Von ihnen versprechen wir uns Zugang zu der relevanten Zielgruppe.

Die Real Life Guys sind Zwillinge, die auf ihrem Kanal technische Projekte realisieren, die beim Zuschauen Spaß machen – zum Beispiel ein motorisiertes Bobby-Car oder eine fliegende Badewanne. Damit sind die beiden erfolgreich, sie zählen aktuell rund 1 Millionen Follower auf YouTube, ihr bestes Video wurde über 7 Millionen Mal geklickt. Schon im ersten Gespräch mit dem VDMA zeigt sich – die Brüder sind der Idee gegenüber aufgeschlossen. Gemeinsam wird überlegt, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte.

youtube.com/c/Talentmaschine

Die Mechanik
Professionelle YouTuber wie die Real Life Guys leben von diesem Vollzeit-Beruf. Entsprechend lassen sich die meisten von einer Agentur vertreten und es gibt relativ fixe Preise für verschiedene Dienstleistungen. Das kann sehr schnell sehr teuer werden. 

Unser Ziel war möglichst viele Azubi-Teams mit unseren YouTubern zusammenzubringen, die Kosten dafür aber im Rahmen zu halten. Für unsere Kampagne haben wir daher das Format „Reaction Video“ gewählt. 

Das bedeutet: Wir senden den Real Life Guys ein Azubi-Video zu, die YouTuber schauen sich das Video an, filmen sich dabei und kommentieren positiv konstruktiv (hier ein erstes Beispiel aus dem laufenden Projekt). TV-Veteranen kennen das Format vielleicht von Kalkofes Mattscheibe.

Veröffentlicht werden diese Videos auf dem kampagneneigenen YouTube-Kanal Talentmaschine. Damit möglichst viele junge Leute davon Notiz nehmen, kündigen die Real Life Guys die Zusammenarbeit mehrfach auf ihrem eigenen Kanal an. Und um den Reiz für die Fans der Real Life Guys zu erhöhen, dürfen diese sich mit eigenen Projekten ebenfalls beteiligen. Die Real Life Guys kommentieren also nicht nur Azubi-Projekte, sondern auch Fan-Projekte auf dem Talentmaschine Kanal.

Zwischenstand
Mit den genannten Grundüberlegungen haben wir die Kampagne Ende 2019 gestartet und bisher vier Videos veröffentlicht. Das erste Video eines Azubi-Teams – eine automatisierte Band – lieferte die Firma Trumpf. Es wurde über zweitausend Mal aufgerufen. Die Reaktion der Real-Life-Guys darauf schon fast zwölftausend Mal. Aktueller Spitzenreiter ist aber die Reaktion der Real Life Guys auf das Projekt eines 14-jährigen, der eine Achterbahn in seinem Garten baut – mit bereits über 50.000 Klicks.

Bisher sind wir mit dem Start der Kampagne zufrieden. Die Click-Zahlen sind gut und wir konnten die Abonnenten des YouTube-Kanals Talentmaschine in kurzer Zeit von knapp 200 auf fast 4.000 steigern - alles junge Leute, die sich gerne technische Projekte auf YouTube ansehen. Auf dem Papier die beste Zielgruppe, um für eine Ausbildung im Maschinen- und Anlagenbau zu werben. 

Dennoch gilt festzuhalten: Das Projekt ist ein Experiment. Wir werden weiter beobachten, ob der Ansatz funktioniert und sich die Investition lohnt. Wir freuen uns in jedem Fall auf die kommenden Wochen und die nächsten Videos.

 

Die Real Life Guys reagieren auf das Projekt der TRUMPF-Azubis